Wie die Stecknadel im Heuhaufen
Jedes Jahr erkranken in Deutschland fast 50 000 Frauen an Brustkrebs. Obwohl durch eine intensivere Aufklärung und verbesserte diagnostische Möglichkeiten immer mehr Brustkrebserkrankungen in einem heilbaren Frühstadium erkannt werden, entwickeln noch immer 30 bis 40 % der Patientinnen innerhalb von 10 Jahren nach der Erstoperation neue Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen.
Die Ursache dafür, die Streuung von Tumorzellen, erfolgte bereits vor dem ersten operativen Eingriff zur Entfernung des Brustkrebses. Danach „überwintern" diese Tumorzellen unerkannt in unterschiedlichen Organen des Körpers. Aus bislang unbekannten Gründen können diese schlafenden Tumorzellen manchmal noch nach 20 Jahren ihr Wachstum wieder neu aufnehmen und zu Metastasen heranwachsen.
Mittels sehr empfindlichen Nachweismethoden, über die auch das Pathologische Institut am BETHESDA Krankenhaus verfügt, kann man heute im Knochenmark der Patientinnen solche schlafenden Tumorzellen entdecken und erkennen. Dabei ist der Nachweis dieser Tumorzellen im Knochenmark beschwerdefreier Brustkrebspatientinnen der Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen vergleichbar: Auf eine Million Knochenmarkszellen kommen in der Regel nur eine bis zwei dieser Tumorzellen.
Man weiß heute, dass Brustkrebspatientinnen mit solchen einzelnen Tumorzellen im Knochenmark ein erhöhtes Risiko aufweisen, noch viele Jahre später erneut Metastasen zu entwickeln. Die Untersuchung des Knochenmarks macht es deshalb möglich, Patientinnen mit einem erhöhten Rückfallrisiko zu identifizieren. Diese Frauen können dann gezielt und intensiv nachbeobachtet werden. Innerhalb klinischer Studien werden bei diesen Patientinnen auch intensive Anstrengungen unternommen, diese schlafenden Tumorzellen mit Medikamenten daran zu hindern, ihr Wachstum erneut aufzunehmen.
