Wie ein kleines Gelenk im Rücken

Künstliche Bandscheiben können die Beweglichkeit erhalten und die Lebensqualität sichern.

Wenn der Schmerz im Rücken unerträglich wird, liegt es häufig an einem Verschleiß der Bandscheibe. Um den leidenden Patienten von seinen Qualen zu befreien, blieb bislang zumeist nur der Weg über eine operative Versteifung, bei dem die angrenzenden Wirbelkörper fest und untrennbar miteinander verbunden werden. Der Nachteil dieser herkömmlichen Methode ist aber, dass die Bandscheiben der angrenzenden Wirbel stärker belastet werden und über kurz oder lang dann ebenfalls verschleißen. Eine titanbeschichtete Hightech-Prothese, die im BETHESDA Krankenhaus zum Einsatz kommt, gibt Hilfesuchenden neue Hoffnung. Sie ersetzt die verschlissene Bandscheibe, nimmt die Schmerzen und kann gleichzeitig die Beweglichkeit der Wirbelsäule erhalten.

Die Orthopädische Klinik des BETHESDA Krankenhauses hat sich seit Jahren unter der Leitung von Dr. med. Dietmar Kumm im Duisburger Raum als Zentrum für den Einsatz künstlicher Gelenke etabliert. Hauptsächlich Knie-, Hüft-, Schulter- und Sprunggelenke werden dabei durch so genannte Endoprothesen ersetzt, mit denen der Patient wieder eine schmerzfreie Beweglichkeit erreicht. Seit Oktober 2006 wird – vor allem jüngeren Patienten – zusätzlich ein neues Operationsverfahren angeboten, bei dem künstliche Bandscheibenprothesen eingesetzt werden. Dieser Bandscheibenersatz, eine titanbeschichtete Hightech-Prothese, ist nicht viel größer als eine Zwei-Euro-Münze. Sie kann Schmerzen lindern und gleichzeitig die Beweglichkeit der Wirbelsäule erhalten. Seit mehr als zehn Jahren werden künstliche Bandscheiben für die Behandlung von Lendenwirbelproblemen implantiert, so dass mittlerweile Langzeitergebnisse für die Zuverlässigkeit dieses Operationsverfahrens vorliegen.

Chefarzt Dr. med. Dietmar Kumm demonstriert die Hightech-Prothese am Wirbelkörpermodell.

Etabliertes Verfahren
Weltweit wurde das Implantat mit dem Namen „Prodisc L“, das im BETHESDA verwendet wird, bereits mehr als 15000 Mal eingesetzt. „Entscheidend für den Behandlungserfolg dieser eleganten Methode“, betont Dr. Dietmar Kumm, „ist eine sorgfältige Indikationsstellung. Der Bandscheibenersatz sollte erst zum Einsatz kommen, wenn in einer so genannten Stufendiagnostik die Hauptursache des Rückenschmerzes identifiziert wurde und konsequente konservative Maßnahmen über einen längeren Zeitraum erfolglos waren.“ Die Betroffenen leiden oftmals an unerträglichen Schmerzen nachts im Liegen oder auch beim langen Sitzen oder Stehen. Häufig lässt der Schmerz unter der Bewegung nach. So auch bei der 46-jährigen Margit K. aus Wetter (Ruhr), die im Oktober 2006 von Dr. Kumm eine künstliche Bandscheibe erhielt. Die Mutter von drei Kindern konnte wegen ihrer Schmerzen den Haushalt nicht mehr versorgen und war seit Monaten arbeitsunfähig krank geschrieben. Mittlerweile ist sie schmerzfrei, beweglich und wieder voll berufstätig.

Ausgefeilte OP-Technik
Für den Eingriff an der Wirbelsäule kommen aktive Patienten zwischen 30 und 50 Jahren in Frage. Die Altersgrenze liegt bei etwa 60 Jahren, wobei jedoch das biologische Alter den Ausschlag gibt. Das Einsetzen einer künstlichen Bandscheibe dauert in der Regel etwa 90 Minuten. Sie wird über einen kleinen Schnitt von vorne durch den Bauch eingesetzt. Das angegriffene Bandscheibengewebe muss zunächst vollständig entfernt werden, anschließend wird mittels einer ausgefeilten OP-Technik der Bandscheibenersatz zwischen zwei Wirbeln eingefügt, wo die Prothese dann wie ein kleines Kugelgelenk arbeitet und die Wirbelsäule beweglich erhält. Durch das Implantat wird der anatomisch korrekte Abstand zwischen den Wirbelkörpern wieder hergestellt, durch den Höhengewinn kommen beengte Nervenbahnen wieder frei und die Wirbelgelenke gelangen in ihre natürliche Position zurück. Bereits am Tag nach der OP darf der Patient wieder aufstehen, nach ca. einer Woche kehrt er nach Hause zurück. Je nach beruflicher Belastung kann die Arbeit nach 6 bis 12 Wochen wieder aufgenommen werden. Ziel der Operation, deren Kosten die Krankenkassen voll übernehmen, ist die Herstellung der vollständigen Belastbarkeit. Hobbysportler sollten nach dem Eingriff drei Monate pausieren. Für Profisportler gibt es spezielle Trainingsprogramme.

Rückenpatienten steht unter www.die-kuenstliche-bandscheibe.de eine Informationsplattform zur Verfügung. Näheres erfährt man auch im BETHESDA unter Tel. 0203 6008-1500.