Wie ein Ballon Zement in den Wirbel bringt

Chirurgisches Verfahren zur Behandlung von osteoporotischen Wirbelkörperbrüchen

Ballon-Kyphoplastie heißt ein operatives Verfahren zur Behandlung von Wirbelkörperbrüchen, die durch Osteoporose entstanden sind. Von Osteoporose, oft auch als "Knochenschwund" bezeichnet, sind nicht nur Frauen nach der Menopause betroffen, sondern auch Männer mit zunehmendem Lebensalter. Zwischen fünf und sechs Millionen Menschen in Deutschland leiden daran. Osteoporotisch bedingte Wirbelkörperbrüche können allein aufgrund der Krankheit auftreten, auch ohne einen Unfall. Sie führen zu großen Schmerzen und sind häufig mit einer erheblichen Verkrümmung der Wirbelsäule verbunden. Im BETHESDA Krankenhaus gibt es dafür Abhilfe.

Durch Osteoporose bedingte Wirbelkörperfrakturen wurden bisher in der ersten Schmerzphase mit Bettruhe, dann mit Mobilisation im Stützkorsett, intensiver Krankengymnastik und einer begleitenden Schmerztherapie behandelt. In der Regel beträgt der stationäre Aufenthalt dabei zwischen zwei und drei Wochen, wobei für acht bis zwölf Wochen ein Korsett getragen werden muss. Insgesamt eine langwierige und häufig mit starken Schmerzen verbundene Behandlung. Eine operative Stabilisierung der Wirbelsäule bei den eher älteren Patienten stellte in der Regel ein operatives Risiko dar. 

Seit 2003 wird in der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie des BETHESDA die Ballon-Kyphoplastie angewendet. Dieses minimal-invasive Verfahren ist für den Patienten wenig belastend. Unter Vollnarkose werden über zwei kleine Hautschnitte unter Röntgenkontrolle vom Rücken aus zwei Kanülen in den verletzten Wirbelkörper eingebracht. Durch diese Kanülen hindurch erfolgt dann das Vorschieben zweier Ballonkatheter direkt in den Wirbelkörper hinein. Beide Ballons werden mit Kontrastmittel gefüllt und der gebrochene Wirbelkörper kann aufgerichtet werden. Nach Entfernen der Ballonkatheter verbleiben zwei Hohlräume, die anschließend mit Knochenzement aufgefüllt werden. Nachdem der Zement ausgehärtet ist, ist der betroffene Wirbelkörper definitiv stabilisiert und sofort voll belastbar. Die Operation dauert zwischen 50 und 70 Minuten.

Bei Patienten in einem insgesamt schlechten Allgemeinzustand kann sie auch in lokaler Betäubung durchgeführt werden. Als Komplikationsmöglichkeiten bei der Kyphoplastie muss der Austritt von Knochenzement in den Spinalkanal (Nervenkanal) genannt werden, obwohl dieses Risiko sehr gering ist. Grundsätzlich muss der Patient aber über die Möglichkeit von Nervenschäden oder sogar einer Querschnittslähmung aufgeklärt werden.

Andere Wirbelbrüche, die mit dem Ballonverfahren behandelt werden können, sind krankhafte Brüche, die durch bösartige Tumoren oder Tumormetastasen auftreten können. Auch diese Patienten können von der neuen Methode profitieren. Die Frage, ob auch bei jüngeren Patienten in Zukunft Wirbelkörperfrakturen aufgrund eines Unfalls behandelt werden können, ist noch nicht abschließend geklärt. Hier werden derzeit so genannte "resorbierbare Knochenzemente" entwickelt, die vom Körper im weiteren Verlauf abgebaut und durch normales Knochengewebe ersetzt werden.

Bisher wurden weltweit über 70 000 Patienten mit dem neuen Ballonverfahren behandelt. Die Heidelberger Kyphoplastie-Studie von 2004 zeigt, dass bei über 90% der behandelten Wirbelkörperbrüche Schmerzfreiheit erreicht wurde bzw. die Beschwerden deutlich gesenkt werden konnten. Langfristige 10-Jahres-Behandlungsergebnisse liegen noch nicht vor. Für die Langzeitprognose ist entscheidend, dass zur Prophylaxe weiterer Brüche nach der Operation eine medikamentöse Behandlung der Osteoporose eingeleitet und langfristig durchgeführt werden muss.

Bei den von uns behandelten Patienten beeindruckte, dass sie bereits am ersten Tag nach der Operation in den meisten Fällen vollständig mobilisiert werden konnten und schmerzfrei waren. Komplikationen wurden bisher nicht beobachtet. Auch die Dauer des stationären Aufenthaltes konnte deutlich gesenkt werden.

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Klinik für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie

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