Schilddrüsendiagnostik

Körperlicher Untersuchungsbefund
Bei der orientierenden körperlicher Untersuchung sind Angaben zu Herzfrequenz und Blutdruck sowie Händezittern und Augenveränderungen von Bedeutung.
Die Palpation des Halses mit Dokumentation von Konsistenz, Mobilität und Schmerzhaftigkeit der Schilddrüse oder von Lymphknoten gehört zu den wichtigsten Untersuchungen.

Schilddrüsenspezifische Labordiagnostik

  • Das Thyroidea-Stimulierende-Hormon -TSH-basal - (Referenzbereich: 0,3-4,0 mU/l) bei jedem Verdacht auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung
    - Die freien Schilddrüsen-Homonwerte freies-T4 (fT4) und freies-T3 (fT3) (bzw. auch das Gesamt-T3)
    Zur Abgrenzung einer manifesten oder latenten Hyperthyreose
  • Thyroidea-Peroxidase-Antikörper (TPO-AK) und ggf. Thyreoglobulin-Antikörper (Tg-AK)


Bei Autoimmunthyreoiditis

  • TSH-Rezeptor-AK (TRAK)

Bei Verdacht auf Immunthyreoiditis vom Typ Morbus Basedow

  • Thyreoglobulin (Tg) und Thyreoglobin Wiederfindung (Tg-WF)
    Bei Nachsorge und Verlaufskontrolle von differenzierten Schildrüsenkarzinomen
  • Calcitonin

Bei Verdacht, Nachsorge und Verlaufskontrolle von medullären Schilddrüsenkarzinomen
Molekulargenetische Untersuchungen und ggf. Familienscreening
Bei medullären Schilddrüsenkarzinomen.
Die Schilddrüsen-Sonographie wird bei jedem Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung durchgeführt. Optimale Ergebnisse sind zu erzielen mit einem B-Mode Ultraschallgerät mit Linear- oder Sektor-Schallkopf mit einer Auflösung ?3 mm (7,5-MHz-Schallkopf oder höhere Frequenz).
Entscheidend für eine Verlaufskontrolle ist eine schriftliche Dokumentation des errechneten Volumens mit Beschreibung von Lage, Form, Binnenstruktur, Homogenität und Begrenzung beider Schilddrüsen-Lappen und exakter Angabe von Größe, Lokalisation, Echogenität der Knoten (mindestens 3). Außerdem ist die Beurteilung der Halslymphknoten und der Nebenschilddrüsen bei einer Halssonographie von Interesse.
Schilddrüsenvolumen:

  • Referenzbereich für Erwachsene
  • ?18 ml für Frauen
  • ? 25 ml für Männer
  • Referenzbereich für Kinder
  • ? 5 ml mit 6 Jahren
  • ? 8 ml mit 9 Jahren
  • ? 15 ml mit 15 Jahren

Eine Schilddrüsen-Szintigraphie wird durchgeführt bei

  • Tastbaren oder sonographisch abgrenzbaren Herdbefunden größer als 1 cm im Durchmesser.
  • Laborchemisch manifester oder latenter Hyperthyreose
  • Diagnostisch unklaren Fälle einer Autoimmunthyreopathie
  • (Differenzierung M. Basedow gegen chronische Autoimmunthyreoiditis)
  • Verlaufskontrolle unbehandelter Autonomien
  • Z. n. Operation/Radiojodtherapie zur Dokumentation des Therapieerfolges
  • Durchführung der Schilddrüsen-Szintigraphie mit Tc-99m-Pertechnetat
  • Referenzaktivität 74 MBq Tc-99m intravenös
  • Mitbestimmung und Dokumentation des Technetium-Uptakes (Aufnahme der Aktivität im Schilddrüsengewebe)
  • Der Uptake liegt bei einer normal großen Schilddrüse mit ausreichender Jodversorgung bei 0,5-2,0%. Abhängig
  • abhängig vom Ausmaß des Jodmangels kann der Uptake zwischen 2-8% liegen. Erniedrigter Uptake z.B. nach Jodkontamination und bei Thyreoiditis
  • Kontraindikation der Szintigraphie: Schwangerschaft
  • Relative Kontraindikation bei Kindern und Jugendlichen
  • schilddrüsen-Suppressions-Szintigraphie
    Bei Verdacht auf fokale oder diffuse Autonomie bei laborchemisch peripherer Euthyreose und nicht supprimiertem TSH-basal
  • mit 150-200 µg Levothyroxin tgl. über 14 Tage
  • oder mit 60-100 µg Liothyronin tgl. über 8-10 Tage
  • oder mit 2 µg Levothyroxin pro kg Körpergewicht tgl. über 4-6 Wochen
    Schilddrüsenszintigraphie mit I-123 bei ektop gelegenem Schilddrüsengewebe:
    • Zungengrundstruma
    • retrosternaler Struma
    • Struma ovarii;
    • konnataler Hypothyreose
    Feinnadel-Biopsie bei
    • kalten Knoten oder klinisch oder sonographisch malignomverdächtigen Knoten
    • Verdacht auf Tumorrezidiv bzw. Lymphknoten-Metastase bei vorbestehendem SD-Karzinom
    • Verdacht auf intrathyreoidale Metastase
    • Entlastungspunktion bei Schilddrüsenzysten
    • zytologischer Differenzierung bei Thyreoiditis
    • Kontraindikation: Blutverdünnende Medikamente, Gerinnungsstörung
    Zusatzdiagnostik
    • Augenärztliche Abklärung einer endokrinen Orbitopathie (ggf. Orbita-MRT)
    • Tracheazielaufnahme und ggf. CT von Hals und Mediastinum (ohne KM) bei großen Strumen und bei
    klinischem, palpatorischem oder sonographischem Verdacht auf
    Tracheaverdrängung oder -einengung
    • Prä- und postoperative Stimmbandbeweglichkeit
    • Skelett-Szintigraphie bei V. a. Metastasierung eines Schilddrüsenkarzinoms