Schilddrüsekarzinome

Die bösartigen Schilddrüsentumore zählen mit einem Anteil von 0,5%-2% an allen Malignomen zu den seltenen Krebs¬erkrankungen. So steht das Schilddrüsenkarzinom in Deutschland bei Frauen an dreizehnter und bei Männern an zwanzigster Stelle der bösartigen Tumoren.

Das Schilddrüsenkarzinom betrifft Frauen zwei- bis viermal häufiger als Männer. Schilddrüsenkarzinome sind im Jugendalter selten, die Häufigkeit steigt mit zunehmendem Lebensalter. Das mittlere Lebensalter zum Zeitpunkt der Diagnose liegt zwischen 45 und 50 Jahren.


Die von den Thyreozyten ausgehenden follikulären und papillären Karzinome machen dabei 80-90% aller malignen Schilddrüsenkarzinome aus. Weitere 5% gehen von den para¬follikulären Zellen aus (medulläre Karzinome). Die restlichen 5-15% entfallen auf die anaplastischen Schilddrüsenkarzinome, wäh¬rend Sarkome, maligne Lymphome und Hämangio-Endotheliome selten vorkommen.
Bei den medullären Karzinomen wird der Anteil hereditärer Formen mit 20% angegeben. Dagegen liegt der Anteil der familiären nicht medullären Schild-
drüsenkarzinome nur bei ca. 2%.

Nach den aktuellen Daten der U.S. Surveillance, Epidemiology and End-Results (SEER) - cancer registries program - hat sich die Inzidenz (Neuerkrankungsrate/Jahr) des Schilddrüsenkarzinoms in den Vereinigten Staaten in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt. Die Daten des Robert-Koch-Instituts zeigen ebenfalls eine kontinuierliche Zunahme der Inzidenz des Schilddrüsenkarzinoms in Deutschland zwischen 1970 und 2000 um den Faktor 2, wobei unter den Frauen mit 5,8 die Inzidenz etwa 2-fach höher liegt als unter Männern mit 2,8/100.000/Jahr.

Die Inzidenz-Steigerung der Schilddrüsenkarzinome betrifft in allen Analysen lediglich die papillären Karzinome, während die folikullären und anaplastischen Typen an Häufigkeit nicht zunehmen. Dieser Trend wird vor allem mit einer Veränderung der Jodversorgung in Zusammenhang gebracht.
In Abhängigkeit von der Intensität des Screenings und der angewendeten diagnostischen Maßnahmen ist die Prävalenz der papillären Mikro-Karzinome (<1cm) mit bis zu 49% sehr hoch. Zu den gesicherten ätiologischen Faktoren für das Schilddrüsenkarzinom zählt eine Strahlenexposition in der Kindheit.
Radiojodtherapie beim Schilddrüsenkarzinom.

Etwa 4-6 Wochen nach einer totalen Entfernung der Schilddrüse wird eine Behandlung mit hoch dosiertem radioaktivem Jod durchgeführt, um evtl. noch vorhandenes Restgewebe und/oder Krebszellen/Metastasen (Tochtergeschwülste in anderen Körperpartien) zu zerstören. Nach der Radiojodtherapie wird eine Ganzkörperszintigraphie zur Erfolgskontrolle vorgenommen. Bei noch vorhandenem Restgewebe im Ganzkörperszintigramm und bei einigen fortgeschrittenen Tumorstadien wird in einem Abstand von 3-6 Monaten eine weitere hoch dosierte Radiojodtherapie oder eine niedrig dosierte Radiojoddiagnostik zur Therapiekontrolle durchgeführt.