Jod und die Schilddrüse

Trotz ständiger Verbesserung in der Jodversorgung seit 1989 bleibt die Kropfverbreitung in Deutschland weiterhin ein gesundheitlich und wirtschaftlich grundlegendes Problem.

Die Ursache (Ätiologie) einer endemischen oder sporadischen Schilddrüsenvergrößerung ist in erster Linie von Umweltfaktoren abhängig. Dabei ist Jodmangel der Hauptfaktor.

Schilddrüsenfunktionsstörungen kommen jedoch überwiegend bei Frauen vor. Das lässt den Einfluss hormoneller Faktoren als Mitverursacher dieser Krankheit vermuten. In der Literatur gib es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Geburten und dem Kropfrisiko, was jedoch auch durch eine unzureichende Jodversorgung während der Schwangerschaft zu erklären ist.

Deutschland gehört zu den Jodmangelgebieten. In der Eiszeit sind unter anderem die Spurenelemente wie Jod aus den Böden ausgewaschen und ins Meer weggespült worden. Landwirtschaftliche Produkte sind deshalb in diesen Regionen jodarm. Sie werden häufig nachträglich jodiert, während Lebensmittel aus den Meeren stark jodhaltig sind. Die Schilddrüse eines Erwachsenen benötigt in der Regel täglich ca. 150-300 Mikrogramm (Millionstel Gramm) Jod.
Während der Schwangerschaft liegt der Mindestbedarf an Jod bei 300 Mikrogramm täglich.

Jodreiche Lebensmittel
Jodsalz, Meersalz, Steinsalz
Alle Molkereiprodukte: Milch, Butter, Sahne, Sauerrahm, Käse, Joghurt, Quark, Eiscreme, Margarine oder Brotaufstrich-Cremes enthalten häufig  in Milchbestandteilen Jod

In Eiern enthält Eigelb viel Jod, nicht aber das Eiweiß
Seefische (z.B. Schellfisch, Kabeljau), Miesmuscheln, Garnelen, Hummer, Austern, Sushi, auch in Konserven, Thunfisch, Bratheringe, Algen und daraus hergestellte Produkte wie Carrageen (E 407), das in vielen Schlankheits- und Light-Produkten vorkommt, auch Agar-Agar (E 406), das als Geliermittel in Süßwaren, Marmelade, Eiscremes und als Gelatine-Ersatz in der vegetarischen Küche verwendet wird
Vorgefertigte oder gepökelte Fleischprodukte wie Wurst, Schinken, Speck, Schmalz, Corned Beef etc.
Gemüsekonserven
Backwaren: Brötchen und Brot, aber auch eine vorgefertigte Pizza enthalten oft Jodsalz
Schokolade, enthält u.a. Milchpulver und Butterfett
Getrocknete Früchte
Soja-Produkte: Sojasoße, Sojamilch, Tofu
Vitamin-Tabletten und Mineralstoff-Ergänzungen.
Einige - nicht alle Mineralwässer - und Heilwässer enthalten Jod (achten Sie auf die Analysewerte)

Jodhaltige Medikamenten
Viele Produkte für die Selbstmedikation werden auch in Drogerien, Reformhäusern und Gesundheitsläden angeboten. Einige Teemischungen enthalten viel Jod. Auch Beimengungen von Algen (Agar-Agar) werden als Naturprodukte eingesetzt.
Mittel zur Wunddesinfektion
Zur Vorbeugung oder Behandlung von Wundinfektionen. Sehr viele dieser
Medikamente enthalten Jod, z.B. Povidon-Jod (PVP), Jodoform, Clioquinol, Jodtinktur.
Betaisodona — in vielen Darreichungsformen
Braunol — Lösung, Spray
Braunovidon — Salbe, Gaze
Freka-cid — Salbe
Mercurochrom — Salbe, Lösung
Polysept — Lösung
PVP-Jod — Salbe
Traumasept — Salbe, Lösung
Präparate mit Clioquinol sind z.B.:
Linola Sept
Locacortin Vioform
Präparate mit Jodoform sind z.B:
Jodoform — Mullbinde, Gaze
Augentropfen
Arufil uno
Lacophtal
Lacrimal
Lacrisic
Lacri-StulIn
Oculotect fluid
Protagent
Vidirakt
Vitaminpräparate mit Mineralstoffen
Additiva superform
Centrum
Eunova
Supradyn
Vita Tonic und Green Source
Badezusätze/medizinische Shampoos
Jod Quell Shampoo
Psori-5AL
Solectron
Solectron mit Blütenöl
Schilddrüsenpräparate
Jodetten
Jodgamma
Jodid
Mono-Jod
Strumex
Strumeel — Tabletten, Tropfen
Amiodaron
u.a. Amiodarex, Cordarex, Tachydaron
Röntgenkontrastmittel

Die bei der Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzten Kontrastmittel enthalten kein Jod.

Jodarme Lebensmittel:
Süßwasserfische
Reis, italienische Hartweizennudeln (ohne Ei), Kartoffeln (nicht vorgefertigten Kartoffelklöße oder –püree)
Frisches Gemüse, auch tiefgefroren, ohne Würzmischung oder Soße (nicht jedoch Brokkoli, Spinat, Karotten und Pilze)
Salat: Kopfsalat, Gurke, Tomate, Weißkohl (nicht jedoch Feldsalat)
Frische Früchte und die meisten Konserven wie Ananas, Pfirsich oder Mandarine
Sorbet aus frischen Früchten
Die meisten Mineralwasser, Schwarzer Tee, Kaffee, Bier, Weißwein