Proteasen: Prognosetest Brustkrebs

Neuartiger Test kann vielen Brustkrebspatientinnen die Chemotherapie ersparen

Chemotherapie – eine Therapieform, die immer noch sehr viel Angst verbreitet. Fragen werden aufgeworfen: Brauche ich sie wirklich? Mit welchen Nebenwirkungen muss ich rechnen? Diesen Ängsten kommt das biochemische Speziallabor im Pathologischen Institut des BETHESDA Krankenhauses entgegen. Es bietet einen neuen Test zur Bestimmung der Aggressivität von Brustkrebstumoren an.

Mit Hilfe eines technischen Verfahrens, FemtelleTM Test genannt, können spezielle Eiweißmoleküle, die sogenannten Proteasen, bestimmt werden. Proteasen sind zusätzliche Prognosefaktoren für die Einschätzung des Krankheitsverlaufs bei Brustkrebs. Man erkennt, welche Patientinnen wegen eines höheren Rückfallrisikos eine Chemotherapie benötigen, aber auch, welchen Frauen mit einem niedrigeren Risiko eine Chemotherapie erspart werden kann.

"Zum Zeitpunkt der Diagnose haben sich oft bereits mikroskopisch kleine Metastasen gebildet, die sich auch mit modernsten Methoden nicht nachweisen lassen," erklärt Prof. Dr. med. Claus Dieter Gerharz, Chefarzt des Pathologischen Instituts im BETHESDA Krankenhaus. "Der Nachweis ist erst ab einer bestimmten Größe möglich, und dann ist es sehr oft schon zu spät. Deshalb wurde bislang nach der Entfernung des Ausgangstumors trotz nicht befallender Lymphknoten auch dann eine vorbeugende Chemotherapie empfohlen, wenn keine Metastasen feststellbar waren."


Es muss nicht immer Chemo sein
Durchschnittlich jede neunte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Allein in Deutschland werden jährlich rund 46 000 Betroffene mit dieser Diagnose konfrontiert. Hauptbestandteil einer modernen Brustkrebstherapie ist immer noch die Operation. Ergänzt wird sie in den meisten Fällen durch eine Strahlentherapie, eine antihormonelle Therapie und durch eine - oft auch prophylaktisch eingesetzte - Chemotherapie, um ein Wiederauftreten des Krebses zu verhindern.

Eine Chemotherapie ist jedoch oft sehr belastend für den Körper und stellt einen massiven Eingriff dar. "Bisher wurden für die Entscheidung, welche Patientin wirklich eine Chemotherapie braucht, vor allem die Größe des Tumors, das Alter der Patientin, die Hormonempflindlichkeit des Tumors und die Anzahl der befallenen Lymphknoten in der Achselhöhle als Kriterien herangezogen. Zusätzlich können wir jetzt auch den Proteasengehalt des Tumorgewebes mit einbeziehen. Es ist damit möglich, betroffene Frauen noch gezielter zu behandeln", erläutert der Mediziner.

Gute Prognose bei niedrigem Proteasengehalt
Proteasen fördern sowohl das Eindringen der Krebszellen in gesundes Gewebe als auch die Bildung von neuen Blutgefäßen, die den Tumor versorgen und damit sein Wachstum beschleunigen. Zeigt sich also in einem Gewebe ein hoher Anteil dieser Proteasen, spricht dies für einen aggressiven Tumor, der entsprechend behandelt werden muss. Ist der Gehalt an Proteasen dagegen niedrig, ist auch die Prognose gut, und in vielen Fällen kann auf eine Chemotherapie verzichtet werden. Bei rund 45 Prozent aller Brustkrebspatientinnen müsste eine Chemotherapie nicht sein, da die Lymphknoten nicht befallen sind. Für sie kommt der FemtelleTM Test in Frage.

Diese neuartige biochemische Untersuchung von Tumorgewebeproben können deutschlandweit nur wenige andere Speziallabors durchführen. Der Test ist auch für die Krankenkassen interessant. Er kostet 150 Euro, eine Chemotherapie dagegen schlägt mit 4000 bis 6000 Euro zu Buche.

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