Videokapsel-Endoskopie

Eine Videokapsel für die Dünndarm-Diagnostik

Röntgen, schallen, spiegeln. Bis vor wenigen Jahren galt der Dünndarm noch als ein Organ, das für solche diagnostischen Verfahren schlecht zugänglich war. Die bildgebende Diagnostik beschränkte sich auf wenige radiologische und nuklearmedizinische Methoden, denen eine Vielzahl von Erkrankungen jedoch entging. Erst mit der Zulassung des Videokapsel-Endoskops im Jahr 2001 ist ein nicht-invasives Verfahren zur diagnostischen Endoskopie des gesamten Dünndarms verfügbar. Auch der Klinik für Gastroenterologie des BETHESDA steht diese Methode, nicht zuletzt Dank der großzügigen Unterstützung der Freunde und Förderer, seit vier Jahren zur Verfügung.

Zwei Bilder pro Sekunde
„Mit dieser Methode haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht“, betont Dr. Werner Stier, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, und erläutert die Anwendung. Zunächst bekommt der Patient acht Elektroden am Bauch angebracht. Dann schluckt er auf nüchternen Magen unter Beobachtung des Arztes das 26 mal 11 mm große und 3,7 g schwere Videokapsel-Endoskop mit etwas Wasser. Ab diesem Zeitpunkt werden pro Sekunde zwei Bilder gesendet, das sind rund 50 000 Einzelbilder während der sechs- bis achtstündigen Funktionsdauer der Kapsel. Das Mini-Endoskop enthält zwei Silberoxidbatterien, eine Linse, eine Chip-Kamera, einen Radiosender mit Antenne und vier LED-Leuchtdioden. Die Elektroden am Bauch empfangen die Bilder und leiten sie an einen tragbaren Rekorder zum Aufzeichnen weiter. Die Auswertung erfolgt durch einen endoskopisch versierten Arzt am PC. Die Kapsel entsorgt sich später selber problemlos über den Stuhlgang.

Hauptindikationen für dieses Verfahren sind zum Beispiel eine chronische oder redizivierende, also immer wiederkehrende Blutung mit vermuteter Quelle im Dünndarm, der Verdacht auf oder der Ausschluss einer Morbus-Crohn-Manifestation im Dünndarm, der Verdacht auf gut- oder bösartige Tumoren oder die Abklärung der Leitsymptome Durchfall oder Bauchschmerz bei bestimmten Risikokonstellationen wie erhöhten Entzündungswerten, einer starken Gewichtsabnahme oder einer sonstigen Tumorerkrankung.

Hier steht eine Blindzeile
Die Kosten für eine Einmal-Kapsel liegen bei ca. 550 Euro. Die Untersuchung kann ambulant erfolgen, wenn im Vorfeld die Kostenübernahme durch die Krankenkasse des Patienten zugesichert wurde. Die Indikation zu dieser Untersuchung muss sorgfältig gestellt werden, Kontra-Indikationen wie eine Schwangerschaft oder ein Herzschrittmacher sind zu beachten. Im Einzelfall muss vor der Untersuchung noch sichergestellt werden, dass keine Stenose, eine Einengung im Darmtrakt, vorliegt, in der die Kapsel stecken bleiben könnte. Dies schließt man mit einer Röntgendarstellung des Dünndarms oder mit einer sich selbst auflösenden Test-Kapsel aus.

Ein Nachteil der Methode der Kapsel-Endoskopie ist, dass der Mediziner nicht gleichzeitig endokopisch eingreifen, also zum Beispiel Gewebeproben entnehmen, Polypen abtragen oder Blutstillungsverfahren anwenden kann. Der Gastroenterologe entscheidet darüber, ob im Einzelfall die so genannte Doppelballon-Enteroskopie eingesetzt werden muss, ein Verfahren, mit dem auch gleichzeitig endoskopische Eingriffe im Dünndarm vorgenommen werden können.

Kontakt

Medizinische Klinik II
Gastroenterologie

Chefarzt
Prof. Dr. med. Abdurrahman Sagir

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BETHESDA
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