Workshops regten zum Ausprobieren an.
Alle, die sich in einer belastenden Lebenssituation befinden - sei es wegen einer eigenen Krebserkrankung, oder der Erkrankung eines nahen Angehörigen, oder aus anderen Gründen - und auf der Suche nach neuen möglichen Kraftquellen sind, waren eingeladen: zum so genannten „Mutmach-Tag“ der Frauenklinik II - Senologie - des Brustzentrums Rhein-Ruhr. Über 100 interessierte Besucher waren am 5. November 2006 gekommen und nahmen mit großem Interesse an den Vorträgen, Ausstellungen und Workshops teil, in denen Betroffene von ihren höchst privaten Wegen zurück ins Leben Zeugnis gaben - davon, wie sie nach ihrer eigenen Krebserkrankung Kraft, Mut und Lebensfreude wiedergefunden haben.
„Wir haben wohlüberlegt keine Vorträge zum Thema Brustkrebs angeboten“, erklärt Chefärztin Dr. med. Gabriele Schrappe. Die Therapie sollte an diesem Tag vor den Türen des Krankenhauses bleiben. Vielmehr wollten sich die Veranstalterinnen nur um die Seele kümmern. Dazu hatten sie Frauen eingeladen, die nach der Diagnose „Brustkrebs“ ihr Leben umgekrempelt haben und etwas Außergewöhnliches taten. Zum Beispiel Christiane Dierks, Imageberaterin aus Hamburg. Nach zweijähriger Vorbereitung bestieg sie trotz ihrer Erkrankung den 7000 Meter hohen Berg Aconcagua in Südamerika, auf der Grenze zwischen Chile und Argentinien. Ihr Bericht von dieser Bergexpedition stieß bei den Besuchern auf großes Interesse. Auch die Lesung von Dr. Gabriele Röhn aus ihrem ganz persönlichen „Krebstagebuch“ beeindruckte, ebenso wie ihre bemerkenswerte Tangovorführung mit Partner Rudolf Schöneberger. Die angebotenen Workshops wollten die Besucher zum Ausprobieren motivieren. Das Malen mit Kunsttherapeut Ulrich Paul, der meditative Tanz mit Tanztherapeutin Britta Wessel, die Klangschalenmeditation mit der Entspannungspädagogin und Klangtherapeutin Bärbel in der Beek oder die „Mutmach-Werkstatt“ von Bildungsreferentin Irmgard Testrut waren sehr gut besucht. Die „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ und die Brustkrebs-Selbsthilfegruppe „Vita!“ hatten bei selbstgebackenem Kuchen zum Gedankenaustausch eingeladen. Selbsthilfe der eigenen Art demonstrierte Karin Jacobs aus Korschenbroich. Sie fand ihren Weg aus der Krankheit durch das Malen. Ihre im Rahmen des „Mutmach-Tages“ in der Galerie BETHESDA ausgestellten Bilder und Aquarelle waren zugunsten der „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ für 70 Euro das Stück zu erwerben.
Viele Gäste empfanden es als angenehm, dass es hier zunächst um etwas andere Themen ging als nur um die Erkrankung und die Medizin nicht im Mittelpunkt stand. Als „ausgesprochen interessant“ bewertete auch Sabine Gradtke den Tag. Die von Brustkrebs betroffene Pfarrerin aus Walsum-Aldenrade habe „viele Ideen und Anregungen bekommen, was man so alles machen kann.“ Und auch Mut? „Nicht mehr als vorher. Die Anregungen waren klasse, aber Mut, den muss man selber aufbauen“, erklärt die 47-Jährige. „Mir kann niemand sagen: Sei mal mutig, trau dich! Das heißt - sagen kann man es schon, aber umsetzen, das muss man selber!“
Und genau das ist es auch, was die Veranstalterinnen mit ihrem „Mutmach-Tag“ bezweckt haben: „Jeder Weg ist individuell“, bestätigt Organisatorin Dr. med. Beate Rautenberg. „Wir wollten Anregungen geben. Auswählen für sich und entdecken, was individuell Kraft gibt, muss man selber.“ Im kommenden Jahr ist eine Folgeveranstaltung geplant. „Wir haben sehr viel positive Resonanz erhalten“, so das Fazit der Oberärztin. „Wir haben über diese Rückmeldungen erfahren, dass viele Besucher Ideen mitgenommen haben, was sie selber für sich tun können, um wieder Lebensfreude, Perspektiven und eigene Wege zu finden.“